Früh vorsorgen statt später verzichten: Ohne private und betriebliche Zusatzrente bleibt für die Gen Z der Traum von finanzieller Sicherheit im Alter meist unerreichbar. © Freepik
Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Das gilt auch für die Rentenaussichten der Gen Z: Denn die sind ausgesprochen düster. Doch wer frühzeitig mit zusätzlicher betrieblicher und privater Vorsorge beginnt, ist im Alter gut versorgt. Entscheidend dafür sind Umdenken und die richtige Wissensvermittlung bereits in frühen Jahren.
Eine Rente von mehr als 3.000 Euro im Monat? Damit lässt sich ab Mitte 60 sicher auskömmlich leben, insbesondere wenn das Haus oder die selbstgenutzte Eigentumswohnung abbezahlt sind und größere Ausgaben tendenziell immer seltener werden. Doch diese anstrebenswerte Rentenhöhe erreicht bereits heute in Deutschland kaum jemand. Im Jahr 2023 galt das nach einem Bericht des „Stern“ etwa in Westdeutschland nur für exakt 14.284 Männer und gar nur 773 Frauen. Zur Einordnung: Die Gesamtzahl der Ruheständler im Westen der Republik betrug 2023 satte 16,4 Millionen Menschen.
Ernüchternd: Durchschnittsrente liegt bei 1.099 Euro im Monat
Nach dem Ende 2024 vorlegten jüngsten „Rentenversicherungsbericht“ der Bundesregierung lag die gesetzliche Altersrente im Monat durchschnittlich nur bei 1.099 Euro im Monat. Männer, deren Erwerbsbiografie häufig konstanter ist, erhielten dabei im Schnitt 1.346 Euro. Frauen, die aufgrund von Geburt und Erziehungsjahren sowie häufigerer Teilzeitarbeit meist weniger Rentenpunkte als ihre Partner sammeln, kamen nach dem Bericht im Schnitt auf 903 Euro. Allein ein Blick auf die rasante Entwicklung der Mieten oder der Kosten für Lebensmittel und Energie in Deutschland in den vergangenen Jahren macht klar: Mit solchen Beträgen ist am Ende des Geldes noch viel Rentner-Monat übrig.
Immerhin zeigt der Bericht auch: Allein von den Zahlbeträgen der Rentenkasse darf nicht auf das Gesamteinkommen der Rentnerhaushalte geschlossen werden, da sich dieses oft aus mehr Quellen als rein aus der gesetzlichen Rente speisen würde.
Und genau das kann und muss auch die Botschaft für all diejenigen sein, die heute als junge Beitragszahler der Generation Z in die Rentenkasse einzahlen und deren spätere Renten angesichts der demografischen Entwicklung immer weiter erodieren: Sorgt vor! „In der Generation Z geht das große Bibbern vor der Altersarmut um“, meint Ronny Wagner, Anlage- und Vorsorgeprofi sowie erfahrener Finanzcoach. Laut einer Studie von MetallRente haben drei von vier jungen Menschen zwischen 17 und 27 Jahren Angst vor einem Ruhestand ohne auskömmliches Geld. Besonders betroffen sind mit 82 Prozent geäußerter Besorgnis dabei junge Frauen.
Es wird Zeit für ein Schulfach „Wirtschaft und Finanzen“

Gen Z kennt die Rentenlücke – doch ohne finanzielle Bildung fehlt der Überblick. © Ronny Wagner
Doch Bangemachen gilt nicht. Junge Menschen sollten der Wahrheit ins Auge sehen: Die gesetzliche Rente mag zwar sicher sein. Deren Versorgungshöhe, die bereits heute weniger als die Hälfte des letzten Nettoeinkommens beträgt, ist es keinesfalls. Viele Studien zeigen, dass vor allem die Gen Z um die absehbare Vorsorgelücke weiß – und gegensteuern möchte. Aber wie? Viele fühlen sich überfordert. Ronny Wagner: „62 Prozent sagen ganz offen, dass sie beim Thema Altersvorsorge den Überblick verlieren. Und wie könnten sie auch, wenn unser Bildungssystem wirtschaftliche Kompetenz weitgehend ignoriert?“ 87 von 100 aller Befragten wünschen sich laut Wagner ein Schulfach „Wirtschaft und Finanzen“. Er fordert: „Das sollten wir ernst nehmen. Denn finanzielle Bildung ist keine nette Ergänzung zum Lehrplan – sie ist eine Grundkompetenz fürs Leben. So wie Lesen, Schreiben und Rechnen.“
Experten machen sich vor allem für die Stärkung der zweiten und dritten Säule der Altersversorgung stark. Neben der betrieblichen Vorsorge, der seit 2002 mit gesetzlichem Anspruch gestärkten „bAV“, geht es vor allem um vermehrte private Vorsorge. Und zwar eine mit Substanz statt Rendite-Luftschlössern. Wagner: „Es geht um echte Vermögenswerte: Immobilien, Unternehmensbeteiligungen, Sachwerte. Alles, was reale Substanz hat. Alles, was bleibt. Wer früh beginnt, kann sich langfristig ein stabiles finanzielles Fundament schaffen – unabhängig von staatlichen Umverteilungssystemen oder volatilen Märkten.“
Der Finanzcoach sieht trotz aller Herausforderungen viele Chancen und nimmt die jungen Menschen bewusst in Schutz: „Die Generation Z ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Was fehlt, sind Wissen, Orientierung und pragmatische Angebote. Wir müssen jungen Menschen zeigen, dass Altersvorsorge kein Hexenwerk ist – sondern ein lebenslanger Prozess, der mit einfachen Schritten beginnen kann.“
