Bernie Ecclestone gilt als der Architekt der modernen Formel 1 und hat über Jahrzehnte ein Vermögen angehäuft, das ihn fest in den Listen der reichsten Briten verankert. Doch auch für einen Mann, der Geschäfte per Handschlag besiegelte und Milliarden bewegte, brachten die letzten Jahre finanzielle Einschnitte mit sich, insbesondere durch juristische Auseinandersetzungen mit den britischen Steuerbehörden. Wer heute auf die Finanzen des fast 100-jährigen Tycoons blickt, sieht ein komplexes Geflecht aus privaten Rücklagen, Immobilien und Treuhandfonds, das trotz Rekordzahlungen an den Fiskus noch immer eine enorme Substanz aufweist.
Das Wichtigste in Kürze
- Das geschätzte Nettovermögen von Bernie Ecclestone liegt auch nach Steuerzahlungen im Bereich von 2,5 bis 3 Milliarden Euro.
- Eine Einigung mit der britischen Steuerbehörde HMRC im Jahr 2023 kostete Ecclestone über 650 Millionen Pfund (ca. 750 Millionen Euro).
- Ein Großteil des Familienvermögens ist im sogenannten „Bambino Trust“ gebunden, der primär den Erben zugutekommt.
Wie hoch ist das Vermögen von Bernie Ecclestone heute wirklich?
Wenn man seriöse Finanzquellen wie Forbes oder die „Sunday Times Rich List“ heranzieht, bewegt sich das Vermögen von Bernie Ecclestone auch im Jahr 2026 noch in der Kategorie der Multimilliardäre. Trotz des Verkaufs der Formel-1-Rechte an Liberty Media im Jahr 2017 und der damit verbundenen Auszahlung blieb sein Kapitalstock nicht statisch, sondern wuchs durch geschickte Reinvestitionen weiter an. Allerdings mussten Analysten ihre Schätzungen zuletzt nach unten korrigieren, da eine massive Einmalzahlung an den britischen Fiskus die liquiden Mittel des Unternehmers spürbar reduzierte.
Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass Ecclestone persönlich über ein Nettovermögen von rund 2,5 bis 3 Milliarden Euro verfügt. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie oft das Gesamtvermögen der Familie mit den persönlichen Besitztümern vermischt. Entscheidend für die Bewertung ist die Unterscheidung zwischen dem Geld, auf das Ecclestone direkten Zugriff hat, und den Werten, die in langfristigen Strukturen für seine Nachkommen geparkt sind.
Woraus setzt sich das Ecclestone-Imperium zusammen?
Das Vermögen des ehemaligen Formel-1-Chefs liegt nicht einfach auf einem Bankkonto, sondern ist in diverse Anlageklassen diversifiziert, die sowohl Wertsteigerung als auch Absicherung bieten sollen. Um die finanzielle Stabilität der Familie zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Säulen, auf denen der Reichtum ruht.
- Immobilienbesitz: Hochwertige Liegenschaften in London (Kensington Palace Gardens), ein Hotel in Gstaad (Schweiz) sowie Ländereien in Brasilien.
- Der Bambino Trust: Ein in Liechtenstein und anderen Jurisdiktionen angesiedeltes Treuhandvermögen, das Milliardenwerte hält und steuerlich optimiert ist.
- Luxusgüter und Sammlungen: Eine bedeutende Sammlung historischer Rennwagen, Yachten (die oft ge- und verkauft werden) sowie Kunstgegenstände.
- Liquide Mittel: Erlöse aus dem Verkauf der F1-Anteile, die konservativ am Kapitalmarkt angelegt sind.
Diese Aufteilung sorgt dafür, dass selbst große finanzielle Belastungen, wie sie in den letzten Jahren auftraten, nicht zum Zusammenbruch des Gesamtvermögens führen. Die Immobilien dienen als inflationsgeschützte Wertspeicher, während der Trust die Versorgung der nächsten Generationen sicherstellt, ohne dass diese Werte direkt dem persönlichen Zugriff Ecclestones unterliegen.
Welche Auswirkungen hatte die Rekord-Steuerschuld auf die Bilanz?
Im Jahr 2023 sorgte Bernie Ecclestone für Schlagzeilen, als er sich in einem Betrugsverfahren schuldig bekannte, Vermögenswerte in einem Trust in Singapur gegenüber den britischen Steuerbehörden (HMRC) verschwiegen zu haben. Das Resultat war eine der höchsten Ausgleichszahlungen, die eine Privatperson im Vereinigten Königreich je leisten musste: Insgesamt flossen rund 652,6 Millionen Pfund (ca. 750 Millionen Euro) an den Fiskus. Diese Summe umfasste Steuernachzahlungen, Zinsen und massive Strafgebühren für die vergangenen 18 Jahre.
Obwohl eine dreiviertel Milliarde Euro selbst für einen Milliardär ein schmerzhafter Einschnitt ist, gefährdete diese Zahlung nicht seine Solvenz. Finanzexperten werten den Vorgang eher als Bereinigung der Bilanz, die es Ecclestone ermöglicht, seinen Lebensabend ohne drohende Strafverfahren zu verbringen. Der Vermögensschwund ist in den aktuellen Schätzungen für 2026 bereits eingepreist, zeigt aber deutlich, wie groß die „stillen Reserven“ gewesen sein müssen, um eine solche Summe kurzfristig liquidieren zu können.
Welche Rolle spielt der Bambino Trust für die Familie?
Der sogenannte Bambino Trust ist das zentrale Vehikel der Ecclestone-Dynastie und war über Jahrzehnte Gegenstand zahlreicher Spekulationen und Untersuchungen. Er wurde ursprünglich eingerichtet, um die Erlöse aus den Formel-1-Rechten zu verwalten, und diente offiziell der Absicherung seiner Ex-Frau Slavica und der gemeinsamen Töchter Tamara und Petra. Da Ecclestone offiziell keine Kontrolle über den Trust haben durfte, um Steuerpflichten im UK zu vermeiden, war dieses Konstrukt lange eine Grauzone.
Heute fungiert der Trust als finanzielles Rückgrat für die Kinder und Enkelkinder, wodurch deren extravaganter Lebensstil unabhängig von Bernie Ecclestones persönlichem Kontostand gesichert ist. Für die Vermögensbetrachtung 2026 bedeutet dies: Ein erheblicher Teil des „Ecclestone-Geldes“ gehört streng genommen gar nicht Bernie selbst, sondern wird von Treuhändern verwaltet, was die tatsächliche wirtschaftliche Macht der Familie oft größer erscheinen lässt als die reine Zahl auf seiner persönlichen Steuererklärung.
Wo investiert der Ex-Formel-1-Chef sein Kapital heute?
Abseits der Finanzmärkte hat sich Ecclestone auf greifbare Sachwerte konzentriert, die seinen persönlichen Interessen und seinem Lebensstil entsprechen. Ein markantes Beispiel ist das Hotel „The Olden“ im Schweizer Gstaad, ein traditioneller Treffpunkt der High Society, das sich in seinem Besitz befindet. Zudem besitzt er eine Kaffeepflantage in Brasilien, wo er viel Zeit mit seiner jetzigen Ehefrau Fabiana verbringt; diese Investments sind weniger auf maximale Rendite als auf Werterhalt und Lebensqualität ausgerichtet.
Auch der Handel mit Superyachten und seltenen Automobilen gehörte lange zu seinem Repertoire, wobei er hier oft opportunistisch agierte – kaufen, wenn der Preis gut ist, und verkaufen, wenn ein Liebhaber mehr bietet. Diese Strategie der „Passion Investments“ (Investitionen aus Leidenschaft) hat sich als stabil erwiesen, da die Preise für historische Formel-1-Boliden und Immobilien in Top-Lagen in den letzten Jahren tendenziell gestiegen sind und so einen Teil der Inflation und Steuerverluste kompensieren konnten.
Wie ist die Vermögensnachfolge geregelt?
Mit Blick auf das fortgeschrittene Alter von Bernie Ecclestone ist die Frage der Erbfolge längst nicht mehr nur theoretischer Natur, sondern fest in Strukturen gegossen. Neben den beiden Töchtern aus zweiter Ehe, Tamara und Petra, die bereits durch Treuhandfonds bestens versorgt sind, gibt es noch die älteste Tochter Deborah aus erster Ehe sowie seinen späten Sohn Ace, der 2020 geboren wurde. Die Herausforderung besteht darin, das verbliebene Privatvermögen so zu verteilen, dass es nicht erneut durch Erbschaftssteuern dezimiert wird.
Beobachter gehen davon aus, dass für den jüngsten Sohn Ace und Ehefrau Fabiana ähnliche Strukturen geschaffen wurden wie einst für die älteren Töchter, um deren Zukunft abzusichern. Die Bereinigung der Steuerschulden im Jahr 2023 kann dabei als strategischer Schritt gesehen werden: Sie hinterlässt den Erben ein „sauberes“ Vermögen ohne juristische Altlasten, was Streitigkeiten mit Behörden nach seinem Ableben verhindern soll.
Ausblick 2026: Was vom Milliarden-Erbe bleibt
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bernie Ecclestone auch im Jahr 2026 und darüber hinaus eine der wohlhabendsten Persönlichkeiten der Sportgeschichte bleibt. Die massive Steuerzahlung an die britische Krone hat zwar die Liquidität verringert, aber nicht das Fundament seines Reichtums zerstört. Durch die kluge Aufteilung in Immobilien, Trusts und Sachwerte ist das Vermögen gegen Marktschwankungen robust aufgestellt.
Für Sie als Beobachter oder Interessierten zeigt der Fall Ecclestone, dass wahres Vermögen ab einer gewissen Größenordnung weniger durch Einnahmen definiert wird, sondern durch den Erhalt der Substanz und die juristische Absicherung. Das „System Ecclestone“ hat den Übergang vom aktiven Unternehmer zum Privatier und die juristischen Stürme überstanden – das Erbe ist somit nicht nur finanziell, sondern auch strukturell für die nächste Generation gesichert.